Recherche im Odenwald von 17. bis 19. Februar 2009

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Manchmal ist es verdammt hart ... auf Reisen zu gehen :)))) Dieses Mal ist nicht tiefstes Morgengrauen oder dergleichen, das fordert, sondern Schneesturm.


Und an meinem Ziel soll auch tiefster Winter herrschen. Ich habe warme Kleidungsstücke entstaubt, die ich sonst in Wien nie benötige. Es geht in den Odenwald auf Recherche für eine Kurzgeschichte in einer Anthologie, die im Herbst beim 2. Odenwälder Krimifestival präsentiert werden soll.


In Frankfurt, dem ersten Teilziel, erwartet mich Ulrich Godenschweger vom Kulturmanagement der Stadt Erbach, der mein Betreuer für die nächsten zweieinhalb Tage ist.


Und das nette Städtchen Erbach ist mein endgültiges Ziel. Führungen und Gespräche sollen mich zu einer Mordgeschichte inspirieren.


Und mit den Gesprächen beginnen wir gleich - wir gehen auf ein paar Bier ins Brauhaus, DEM Treffpunkt der Erbacher.


Im Herbst 2008 war ich ja schon einmal in Erbach, als Gast beim 1. Odenwälder Krimifestival mit den Mörderischen Schwestern. Aber nun betrachte ich die Stadt mit anderen Augen - kann etwa der Hinterausgang des Brauhauses ein geeigneter Tatort sein?


Und im Gespräch mit Einheimischen (in der Bildmitte ein Mitglied der Männerballettgruppe des Karnevalvereines) erfahre ich die ersten Details. Dichte zwei Tage stehen mir bevor.


Am nächsten Morgen vertiefe ich mich in die Unterlagen über die Stadt ...


... bevor der erste Pressetermin stattfindet: Ulrich Anton vom Hessischen Rundfunk (l.) interviewt Frank Reubold (Medien und Stadtmarketing Erbach, 2.v.r.), Ulrich Godenschweger (r.) und mich zu meinem Auftrag, eine Geschichte über die Stadt zu schreiben. Die Dame links von mir ist Petra Willige-Friedrich (Assistentin Geschäftführung Gräfliche Sammlungen Schloss Erbach).


Petra Willige-Friedrich führt mich/uns (Ulrich Godenschweger ist immer an meiner Seite :))) dann durch das Erbacher Schloss - im Bild die rückwärtige Fassade. Seit 2005 ist es Landeseigentum, nun sind auch die privaten Prunkräume der Erbach-Erbachs zu besichtigen.


Das Entrée erinnert an ein Jagdschloss, doch die Trophäen sind außergewöhnlich. Viele Abnormitäten sind darunter, für die sich sowohl Jäger wie Naturkundler interessieren.


Das Wappen der Erbach-Erbachs: Der wichtigste Ahnvater ist Graf Franz I. (1754 - 1823), der eine Verbindung mit den Habsburgern einging, wodurch seither jeder Stammhalter Franz heißen muss und viele Familienmitglieder in der Armee der Habsburger gekämpft haben.


Der Rittersaal ...


... mit wundervollem Mauerwerk, auf dem man sogar das Steinmetz-Zeichen finden kann - und das komplett aus Holz, also Scheinarchitektur ist :))).


Dieser Doppel-Kelch, Schenkenbecher
genannt, ist allerdings echt Gold und
wird von der Grafenfamilie bei Festen
noch immer verwendet.


Die Hirschgalerie ...


... und eines der Privatzimmer von Franz I., der unzählige Kunstwerke gesammelt und sich auch mit ihnen umgeben hat. Die kann man nun alle besichtigen.


Was man heuer erstmals und das auch nur selten besichtigen kann, ist der dritte Stock - Räumlichkeiten, die die Phantasie anregen :))) ...


... wie auch das Kellergewölbe.


Beeindruckt lasse ich mich auf dem Marktplatz vor dem Schloss gleich mit dem Landesvater fotografieren.


Als nächstes geht es zum mittelalterlichen Teil der Stadt, dem Städtel; rechts das Alte Rathaus aus dem Jahr 1545.


Sein Zugang wird vom „Bürger Fleckenstein“, einem Erbacher Original, bewacht. Adam Fleckenstein, 1849-1917, lebte von verschiedenen Tätigkeiten wie Koffertragen
und war für seine freundliche und offene Art bekannt.


Die Kirche in ihrer jetztigen Erscheinungsform stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist als Querkirche gebaut. Das galt im Barock als Idealform des protestantischen Kirchenbaus.


Altar, Kanzel und Orgel befinden sich auf der Ostseite. Die Bänke sind in relativ gleichmäßiger Entfernung um diesen Mittelpunkt aufgestellt. Vielleicht erinnern mich deswegen die meisten evangelischen Kirchen mehr an Wohnzimmer oder Versammlungsräume, denn an Anbetungsstätten wie bei den Katholiken.


Romantische Fachwerkhäuschen ...


... enge Gässchen ...


... und das Tempelhaus aus dem
14. Jahrhundert - ein Burgmannenhaus.


Dan haben wir eine Kaffeepause verdient - in einem Lokal mit Raucherzelt vor der Tür :))) - bevor es ...


... wieder ins Brauhaus geht, wo mir Stadtführerin Gisela Külper Geschichten und Tratsch von Erbach zuteil werden lässt.


Ich esse übrigens einen Skrei-Eintopf - Skrei ist der frische Winterkabeljau, eine Spezialität. Es schaut wesentlich furchtbarer aus, als es ist, nämlich sehr gut :))) und hat den heftigen Nährwert von Labskaus.


Dann brechen Ulrich Godenschweger und ich auf, um die nähere Umgebung zu erkunden.


Das erste Ziel ist das "Himbächel Viadukt" (eine Eisenbahnbrücke) auf dem Gebiet der südlichen Nachbarstadt Beerfelden/Ortsteil Hetzbach.


Es folgen verschiedene Stadtteile wie Lauerbach ...


... oder Erbach-West, wo man sich auf relativ teurem Grund relativ teure Häuser mit Ausblick hinbaut ...


... nur sehen sie irgendwie alle gleich aus.


Dann unternehmen wir etwas beinahe Verbotenes ... :)))) ... wir besuchen die angrenzende Nachbarstadt Michelstadt. Seit Jahrhunderten tobt zwischen Erbach und Michelstadt ein Konkurrenzkampf, der seinen Höhepunkt jüngst in der Ablehnung der verwaltungstechnischen Zusammenlegung der beiden ohnehin zusammengewachsenen Städte gefunden hat.


Tatsächlich "verboten" ist es natürlich nicht, aber Erbachs Stadtmütter und -väter hoffen auf Abgrenzung, da auch Michelstadt in der Anthologie mit einer Geschichte vertreten sein wird. Aber ich denke mir, wie kann man die eine ohne die andere verstehen? Übrigens so kalt ist es ...


Durch die Reste der ehemaligen Stadtmauer im Südosten betreten wir die Stadt.


Herzstück ist der Marktplatz mit Fachwerhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie dem Brunnen mit dem Hl. Michael.


Kronjuwel und Wahrzeichen ist das
zweitürmige, spätgotische Rathaus
aus dem Jahre 1484; im Hintergrund
ist die ebenfalls spätgotische Stadtkirche
zu sehen.


Bemerkenswert ist auch die ehemalige
Synagoge, die jetzt ein jüdisches
Museum ist.


Eines der verschwiegenen Gässchen.


Dann geht es in die Winterlandschaft hinaus ...


... weil wir einen kurzen Blick auf das Jagdschloss Eulbach werfen wollen, den Wohnsitz des Grafen zu Erbach-Erbach.


Winterimpression.


Der letzte offizielle Termin an diesem Tag findet im "Erlenhof" statt ...


... wo ich mit Ingrid Albrecht (re.) und Raquel Jarillo vom Tourismusverband Odenwaldkreis sowie der Wirtin Elke Heilmann (nicht im Bild) meine Lesung mit Brunch im Oktober in eben diesem Haus bespreche.


Zu guter Letzt gebe ich mich am Abend mit meinem Begleiter Ulrich Godenschweger dem Genuss des Kochkäses hin, einer regionalen Spezialität - mit viel Kümmel und Zwiebel ...


Am nächsten Morgen wirkt die Luft ein bissel weniger kalt, was ich dankbar zur Kenntnis nehme - ich blicke von meinem Hotel "Wappenstube" übrigens direkt auf die Rückseite des Schlosses.


Das erste Ziel des Tages ist die Elfenbein- und Mammutwerkstätte von Bernhard Rück im Stadtteil Günterfürst.


Elfenbein war vom 19. Jahrhundert an bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts (Verbot des Elfenbeinhandels) das Gold von Erbach.


Die Schnitzer waren berühmt für ihre Kunst - der endgültige Aufstieg begann mit dieser Rose bei der Weltausstellung 1873 in Wien.


Mittlerweile wird, wie mir Bernhard Röck nicht nur beim Getuschel für die Presse (Bildkomposition für das "Odenwälder Echo" :))) mitteilt, nur mehr Mammut verarbeitet, das aus der auftauenden Tundra geborgen wird.


Und daraus entstehen wunderbare Schmuckstücke, die für ein kleines Mitbringsel leider viel zu teuer sind.


Neben Mammut (so schaut so etwas
innen aus) und anderen Hörnern ...


... werden auch Bernstein ...


... und Ebenholz verarbeitet - tja,
ebony and ivory :))).


Das nächste Ziel ist auf meinen - spontanen - Wunsch hin die Polizeistation von Erbach.


Und ebenso spontan empfängt uns
Polizeioberrat Kurt Hable, der mir all
meine Fragen zur Kriminalstatistik der
Stadt Erbach und des Kreises Odenwald beantwortet. Nochmals ein herzliches
Dankeschön für diese Spontaneität!


Dieser Ausflug bringt nun auch für
Ulrich Godenschweger etwas Neues,
denn wie die meisten Menschen, wenn
sie nicht gerade Kriminelle oder KriminalschriftstellerInnen sind, hat er
noch nie eine Arrestzelle (Gewahrsam)
von innen gesehen :)).


Dann erobern wir Ulrich Godenschwegers Stolz (er ist mitverantwortlich), das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach.


Beim Mittagessen haben wir den zweiten Pressetermin des Tages, nun mit Dr. Peter W. Sattler vom "Odenwald-Journal" (re.).


Kurze Erholung in der Sonne, bevor es mit dem dritten Termin weitergeht ...


... dieses Mal interviewt und fotografiert mich
Dr. Heinz Linduschka vom Aschaffenburger
„Main-Echo“.


Dann bewundere ich die Ausstellungsstücke ...


... des Elfenbeinmuseums.


Es ist wahrlich ...


... einen Ausflug wert.


Geschnitzt wird übrigens mit Werkzeug, das dem des Zahntechnikers ähnlich ist.


Zu guter Letzt besuchen wir eine Jugendstilvilla von Erbach, erbaut von den bekannten Brüdern Georg und Heinrich Metzendorf. Vielleicht spielt ja hier eine Szene in meinem Krimi ...


... denn ja, ich war ja nicht zu meinem Vergnügen hier, auch wenn die drei Tage mit Ulrich Godenschweger und den lieben Menschen von Erbach es waren.


Und so beginnen schon bei der Fahrt zum Flughafen die Eindrücke durcheinanderzuwirbeln, sich neu zusammenzusetzen ...


... aber welche Orte und Eigenarten von Erbach tatsächlich in meiner Krimigeschichte vorkommen, ist ab September 2009 in der Anthologie "Tatort Odenwald" nachzulesen ...
 
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